• Annette Heinrich

Wald der tausend Gesichter. Rund um den Bienwald

SWR, Fahr mal hin | Sendedatum: 20.12.2019, 18.15 Uhr


Buch und Regie: Annette Heinrich






In der Südpfalz zwischen der Südlichen Weinstraße und dem Lautertal liegt der Bienwald. Unter schier endlosem Grün verbirgt sich nicht nur ein ausgedehnter Nutzwald, sondern auch ein einzigartiges Naturschutzgebiet und eine bunte Welt voller Geschichten.

Die idyllische Region lädt zum genauen Hinschauen ein, denn die wahre Schönheit des Bienwaldes ist klein, so Biotopbetreuer Matthias Kitt aus Minfeld. Seit 27 Jahren schafft er die idealen Lebensräume für die größeren und kleineren tierischen Bewohner des Waldes mit Erfolg. Eine Vielzahl von Libellen, Käfern, Wildbienen und Vögeln, mitunter auch seltene Arten, haben sich hier angesiedelt und erfüllen die Bäche, Tümpel, Flugsanddünen und Bäume mit Leben.

Der Bienwald ist aber auch Heimatort mystischer Holzgeschöpfe und Baumgesichter, die Anke Sommer auf ihren Streifzügen entdeckt und in Fotos und poetischen Bildern festhält. Die Künstlerin aus Wörth am Rhein möchte mit ihren Werken "die Seele des Waldes" zum Ausdruck bringen und den Menschen Lust auf eigene Erkundungstouren machen.





Doch auch rund um den Bienwald gibt es viel zu entdecken und vor allem zu genießen. Ein wahres Paradies für Gourmets! Die entschleunigte Lebensart und die Nähe zu Frankreich machen es Feinschmeckerinnen und Feinschmeckern leicht, sich wohlzufühlen und aus den Schätzen der Region neben Dampfnudeln und Saumagen auch andere Köstlichkeiten zu zaubern. So wie der Metzger Joachim Wenz aus Kandel, der sich auf Wildprodukte spezialisiert hat. Oder sein Bruder Andreas Wenz, der in seinem Hotelrestaurant "Zum Riesen" raffinierte Speisen kreiert, kleine Tellerkunstwerke anrichtet und obendrein noch versucht, Trüffel im hauseigenen Garten zu züchten. Pudel Hugo hat sein Näschen für das Erschnüffeln der kostbaren Spezialität auf jeden Fall bestens trainiert!



Das Trio um Udo Zahneissen stellt in der Steinweilerer Seifenmanufaktur "Heimat zum Riechen, Fühlen und Pflegen" her. In die duftenden Seifen und Wellnessprodukte wandern nur beste und hautverträgliche Zutaten, hin und wieder sogar heimische Erzeugnisse wie echter Frühlingshonig von den Büchelberger Streuobstwiesen. Ebenfalls dem Genuss, aber auch einer anderen Südpfälzer Tradition, hat sich Uwe Nauerth verschrieben. Der gebürtige Kandeler ist einer der letzten Tabakanbauer der Region. Die Arbeit auf dem Feld ist hart, die Pflanzen sind empfindlich und der Lohn gering. Doch wenn der Tabak blüht, "blüht" für ihn "die Pfalz". Deshalb geht der selbsternannte "Dinosaurier" mit Liebe seinem Handwerk nach, das seine Erinnerung an vergangene Zeiten wachhält und für ihn Heimat bedeutet. Um seine mit harter Arbeit, Herzblut und Schweiß herangezogenen Pflanzen und die Ernter vieler Pfälzer Landwirte vor Hagelschäden zu bewahren, steigt der passionierte Flieger Paul Musso bei Unwetterwarnung in die Luft. Er trotzt Blitz und Donner und bringt gezielt Silberjodid-Aceton-Gemisch aus, um die Hagelbildung zu minimieren.


Eine Reise in den Bienwald ist so vielschichtig und spannend wie die Menschen, die rund um ihn leben. Menschen, die das Besondere im Kleinen sehen, die das Schützenswerte ihrer Heimat bewahren und Schönes aus ihren Schätzen erschaffen. Es lohnt sich, die vielen Gesichter des Bienwaldes zu entdecken.