• Annette Heinrich

TV-Kolumne "ZDFzeit: Wie viel Islam verträgt Deutschland?"

Wie ein Verkäufer im Handyshop versucht, Flüchtlinge für den IS zu rekrutieren


Die Reportage-Reihe „ZDFzeit“ sucht Antworten auf die heikle Frage: Wieviel Islam verträgt Deutschland? Antwort: Sehr viel - solange er sich an die freiheitliche Grundordnung hält.

Wer einige der verrufenen Banlieus in Frankreich betrachtet oder die Brüsseler Vorstadt Molenbeek mit ihren zahlreichen radikalen Muslimen, und dabei an die Anschläge von Paris denkt – der kann ins Zweifeln geraten: Ist eine Zukunft denkbar, in welcher der muslimische Anteil der Bevölkerung weiter wächst? Der ZDF-Reihe „ZDFzeit“ zufolge wird in Deutschland im Jahr 2030 jeder Zehnte Moslem sein. Kann das gutgehen? Die Analyse-Serie im Zweiten folgt zur Beantwortung dieser Frage den Strömungen des Islam in Deutschland. Wie frauenfeindlich oder antidemokratisch ist dieser Glaube, wie gewaltbereit? Und ein Teil dieser Recherchen „macht uns schon Sorgen“, gibt Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen zu. Denn in Neumünster erzählen frisch angekommene syrische Flüchtlinge, wie Islamisten sie für ihre Sache anwerben wollen.


Anwerbeversuche des IS "eine Gefahr für uns alle"


Im Handyshop der kleinen norddeutschen Stadt, betrieben vom Imam der örtlichen salafistischen Gemeinde, werden die Neuankömmlinge offen gefragt: Warum sie nicht in ihrer Heimat geblieben sind, um für den IS zu kämpfen? Tipps, wie sie das Versäumnis nachholen können, gibt's vom Telefonhändler per Flatrate dazu: Sie könnten auch in der Türkei leben und zum bewaffneten Kampf über die Grenze nach Syrien pendeln. Facil Tuncer von der Islamischen Gemeinde in Neumünster erklärt frei heraus: Diese Anwerbeversuche für den IS seien „eine Gefahr für uns alle“.


Wie hältst Du’s mit der Religion?


Interessant zu beobachten war auch der Anlauf der Reporter beim Fußballverein Türkspor Harburg in Hamburg. Ob denn Frauen so frei feiern gehen dürften wie junge Männer, ob Sex vor der Ehe denkbar sei, wollen die Rechercheure wissen. Erst scheinen die befragten Männer ordentlich Kreide gefressen zu haben. Ach, so ein Lebenswandel mache doch nichts aus, behaupten sie.

Bis sich einer vom Nebentisch dazu setzt und sehr humorig Klartext redet: Selbstverständlich sei es nur „geduldet“, wenn junge Leute wild leben. Bei Jungs noch eher als bei Mädchen. Aber eigentlich müsse jede Frau als Jungfrau in die Ehe gehen, so sei nun mal die Tradition.


Damit in einem westlichen Land umzugehen, fällt vielen Musliminnen ganz offenbar sehr schwer. Die Anwaltsgehilfin Elahi lässt sich erst in der Moschee beim Beten filmen, züchtig mit Kopftuch. Danach zeigt sie sich mit ihrer Freundin, wie sie sich für einen Diskoabend zurechtmachen. Sehr sexy, das Kopftuch muss irgendwo verloren gegangen sein.

Im Tanzclub erklärt die junge Frau dann: „Viele Männer saufen sich hier zu und halten sich überhaupt nicht an den Koran. Also dürfen wir das auch.“


Gewalt im Islam


Derlei Widersprüche spürt der Bericht am laufenden Meter auf: Koransuren, die Gewalt ablehnen - und im Gegenschnitt gewaltbereite Radikale. Dazu der nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Arif Ünal, der sagt: „Häusliche Gewalt ist unter türkischen Familien mehr verbreitet.“ Ob dies religiös oder sozial motiviert sei, lasse sich jedoch nicht sagen.


Nach 45 Minuten wird immer klarer: Für Deutschland ist es nicht leicht, mit vielen Tendenzen im Islam zurechtzukommen. Aber vor allem für viele Muslime selbst scheint es schwer zu sein, in unserer westlichen Kultur mit ihren Widersprüchen zu leben.


Die Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer versucht eine Antwort auf die Frage vom Anfang: „Einen Islam, der sich an die freiheitliche Grundordnung hält, vertragen wir in hoher Dosis. Wenn er dies nicht tut, vertragen wir ihn nicht.“


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