• Annette Heinrich

37 Grad: Mein wildes Herz – Brennende Eifersucht

ZDF | Sendedatum: 21.05.2013, 22:15 Uhr


Buch & Regie: Annette Heinrich




Jeden Tag, wenn Norbert in den Spiegel schaut, wird er daran erinnert, dass er einen hohen Preis für seine Liebe zu Wiebke bezahlt hat. Jeden Tag, wenn die Tür seiner Gefängniszelle zufällt, weiß Mathis, dass er aus rasender Eifersucht alles verloren hat, was ihm wichtig war – seine beste Freundin und sein Leben in Freiheit. Jeden Tag, wenn Wiebke mit ihren Gedanken allein ist, quält sie die Frage, ob sie schuld ist an den schrecklichen Geschehnissen, die das Leben von drei Menschen grundlegend verändert haben.

Im November 2011 ist das Leben dieser drei Menschen noch in Ordnung. Die 23-jährige

Wiebke wohnt mit ihrem besten Freund Mathis in einer WG auf engstem Raum zusammen. Sie verstehen sich gut, haben viele Gemeinsamkeiten und Spaß zusammen – zumindest immer dann, wenn Mathis nicht gerade depressiv ist oder Wiebke mit seinen

schwärmerischen Gefühlen bedrängt.

„Ich habe immer gedacht, dass ich die Situation im Griff habe, aber da habe ich mich

getäuscht“, gesteht Wiebke. Wie sehr, realisiert sie, als sie sich in Norbert, einen drei Jahre älteren Koch, verliebt. Er arbeitet im gleichen Lüneburger Hotel, in dem sie ihre Ausbildung zur Restaurantfachfrau macht. Die beiden werden ein Paar und schweben auf Wolke Sieben. Mathis dagegen, der immer hoffte, dass sich mehr aus der Freundschaft entwickeln könnte, fällt in ein tiefes Loch. „Er hat alles versucht, um mir Norbert auszureden“, erinnert sich Wiebke. Die junge Frau ist hin- und hergerissen. Sie will weder ihren besten Freund noch ihren Partner verlieren. „Hätte ich stärkere Grenzen gezogen, wäre es vielleicht anders gelaufen.“

Drei Monate später eskaliert die Situation: In einer kalten Januarnacht 2012 verlässt Wiebke nach einem heftigen Streit mit ihrem Mitbewohner fluchtartig die Wohnung. „Mathis und ich haben uns wegen Norbert gestritten – und er ist total ausgerastet!“ Norbert holt seine aufgewühlte Freundin ab. Mathis sieht rot, steigert sich in den Wahn, seinen Rivalen loswerden zu müssen. Heimlich folgt er dem jungen Paar – und attackiert seinen Nebenbuhler, blind vor Eifersucht, mit einem Keramikmesser. Immer wieder sticht er auf Norbert ein, ins Gesicht, in die Hände, die Brust, den Kopf, in den Rücken. „Es war grauenvoll, ich konnte nicht aufhören zu schreien“, erzählt Wiebke. Norbert wehrt sich derweil mit Händen und Füßen, ringt um sein Leben, das er beinahe verliert. „Es gab einen Moment, in dem ich dachte, dass ich dort auf der Straße sterben würde“, erinnert er sich.

Doch Jan, ein Barkeeper aus einer benachbarten Eckkneipe, rettet ihm das Leben. Der 33-Jährige hört den Tumult, rennt ohne zu Zögern nach draußen und überwältigt den

blindwütigen Angreifer. „Ich hab‘ nicht darüber nachgedacht, was mir passieren könnte. Ich wollte einfach nur helfen“, erklärt er.

Der 24-jährige Mathis wird zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Für Norbert und Wiebke ist der Albtraum dennoch nicht vorbei. Da der Täter immer knapp bei Kasse war, gibt es kein Schmerzensgeld für Norbert. Die Messerattacke hat seine Hände stark verletzt, der kleine Finger bleibt steif. Der junge Koch ist wochenlang arbeitsunfähig und muss große Verdiensteinbußen in Kauf nehmen. Und Wiebke muss aus finanziellen Gründen ihre Wohnung aufgeben. Acht Monate lang wohnen sie deshalb in Norberts altem Kinderzimmer im Haus seiner Eltern. „Eine echte Belastungsprobe für unsere Beziehung“, gesteht Wiebke. Die junge Frau leidet noch immer sehr unter den Geschehnissen.

Norberts Vater ist kein Mann der großen Worte – doch eine große Hilfe. Er kauft dem jungen Paar ein kleines Häuschen, das sie gemeinsam renovieren. „Ich will, dass sie jetzt endlich zur Ruhe kommen und ihre Beziehung leben können.“ Dankbar ergreifen Norbert und Wiebke diese Chance auf einen Neuanfang, auch wenn Wiebke gerne ganz fort gezogen wäre. „Ich habe Panik, dass Mathis eines Tages vor unserem Gartenzaun stehen wird, um zu Ende zu bringen, was er angefangen hat …“





Norbert verdrängt solche Ängste vorerst. Er hat genug damit zu tun, seine Narben im

Gesicht, am Körper und auf der Seele heilen zu lassen. Und wieder nach vorne zu sehen. „So verrückt es klingt, irgendwie hat uns diese Messerattacke stärker zusammen-geschweißt, als das im normalen Leben jemals möglich gewesen wäre.“ Doch werden die Beiden auch zueinander stehen, wenn der Alltag die Ausnahmesituation ablöst? Werden sie zu der Leichtigkeit finden, die sie vor den Geschehnissen hatten? Und wie kommt der Täter mit der Schuld zurecht und damit, dass er seine beste Freundin und seine Freiheit verloren hat? Er muss mit seiner Tat leben und kann nur darauf hoffen, dass ihm Wiebke und Norbert eines Tages verzeihen können.

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